Es geht also um Karneval, oder wie wir alten Lateiner sagen würden: carne vale – „Fleisch, lebe wohl“.
Bevor die Fastenzeit begann, hat man es nämlich noch einmal richtig krachen lassen. Schon im Mittelalter durften für ein paar Tage die Regeln auf den Kopf gestellt werden: Bauern spielten Könige, Narren sagten Wahrheiten und wer sonst geschniegelt war, setzte sich eine Maske auf und benahm sich… nun ja, menschlich.
Typische Gepflogenheiten haben sich bis heute gehalten: Verkleiden, Kamelle werfen, singen, schunkeln und das kollektive Ignorieren von Alltagsproblemen. Dazu gehört auch das rituelle Rufen von „Helau“ oder „Alaaf“, wobei Historiker bis heute streiten, warum man sich dabei unbedingt so enthusiastisch anschreit.
Heutzutage werden sogar Rekorde gebrochen. So sorgen derzeititg die "Essener Gänsehälse" in der ganzen Republik für Aufsehen. In Essen-Rüttenscheid geht an Rosenmontag der wahrscheinlich größte Wagen Deutschlands mit ca. 15m Länge an den Start und wird wohl den Deutschland-Rekord brechen.
In den kleineren Hochburgen wie Köln oder Düsseldorf wird Karneval zur Wissenschaft. Dort gibt es Sitzungen mit fester Dramaturgie, Rosenmontagszüge mit politischem Feingefühl und eine Rivalität, die ungefähr so alt ist wie der Karneval selbst. Man feiert groß, laut und mit ernster Hingabe an den Spaß.
Aber auch hier bei uns, in Wattenscheid-Höntrop, hat der Karneval eine große Tradition. Bodenständig, herzlich, ein bisschen ruppig, aber immer mit viel Herz. Kein Glamour, dafür echte Jecken, die wissen, dass Karneval vor allem Gemeinschaft bedeutet.
Und natürlich wäre Karneval nichts ohne das richtige Essen. Berliner, Krapfen, Mutzen, Fettgebäck – alles, was rund, süß und kalorisch völlig verantwortungslos ist. Früher war das praktische Notwendigkeit, heute ist es gelebtes Brauchtum.
Und jetzt kommt der Moment, an dem ich tief durchatmen muss: Wir bieten dieses Jahr – und zum ersten Mal – leider keine Berliner an. Ja, ich weiß. Ein harter Einschnitt. Eine karnevalistische Durststrecke historischen Ausmaßes. Eine Berlinerlose Zeit, durch die wir jetzt gemeinsam gehen müssen. Auch bei uns in der Firma knabbern wir emotional noch daran. Aber wie jede Epoche der Geschichte zeigt: Auch das geht vorbei. Bis dahin heißt es zusammenhalten, schunkeln und sich sagen: Et hätt noch immer jot jejange.
Eure Jecken von Flotte Karotte